Verschwommenes Porträt einer nachdenklichen Frau draußen – symbolisiert innere Zerrissenheit, Unsicherheit und das Loslassen in einer offenen Beziehung

Partner will eine offene Beziehung – wie du loslässt, obwohl ihr euch noch liebt

„Soll ich mich trennen oder es akzeptieren?“

Diese Frage erreichte mich kürzlich von einem Leser. Seine Partnerin will eine offene Beziehung und er weiß nicht, wie er loslassen kann, obwohl sie sich noch mögen. Er bat mich, seinen Fall anonym zu behandeln, deshalb nennen wir ihn Richard …

Richard schrieb:

Meine Ex und ich mögen uns sehr. Sie und ich haben beide Kinder und wir waren ein halbes Jahr lang zusammen. Auch unsere Kinder haben gut reagiert und es war alles toll. Sie war Feuer und Flamme.

Nach ca. einem halben Jahr aber bemerkte sie, dass sie sich noch ausleben müsse. Dass sie gerne noch viel erfahren möchte und dass das nur mit mir nicht möglich sei – gerade sexuell.

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Sie wollte eine offene Beziehung …

Für Richard begann damit der innere Konflikt:

Wie kann man eine offene Beziehung loslassen, wenn man den anderen noch liebt?

Sie wollte eine polyamore Beziehung. Aber das wollte ich nicht. Auch wollte sie dabei keine Grenzen beachten – zum Beispiel bestimmte Dinge nur mit mir zu machen.

Das Problem ist nun: Ich versuche loszulassen. In deinem Beispiel im Buch sagst du, dass man eben akzeptieren muss, dass der Partner einen eben nicht mehr liebt und man weiter machen soll. Aber das Problem hier ist eben, dass sie mich ja noch mag …

 

Sie mag mich noch!

So ca. alle paar Wochen haben wir Kontakt und sie sagt auch immer, dass sie mich vermisst und merkt, dass etwas fehlt, aber es geht eben nicht. Meistens endet das in kurzen Intimitäten für ein paar Tage, danach geht es eben wieder kalt weiter … Oder wir schreiben eine Woche und es schwankt zwischen alltäglichen und sehr intimen Chats.

Durch dieses Verhalten fehlt mir der richtige Punkt zum Loslassen. Ich weiß, du sagst, es muss sich getrennt werden. Aber diesen Schritt durchzuführen fällt mir wahnsinnig schwer und ihr auch.

 

Wie kann ich da loslassen?

Meine Frage nun, die du vielleicht beantworten kannst:

Wie komme ich an die richtigen Gedanken um loszulassen?

Wenn ich dein Workbook durcharbeite entdecke ich, dass ich immer wieder schwanke zwischen dem echten Loslassen, also Kontaktabbruch und dem Versuch zu akzeptieren, dass sie eben auch andere Bedürfnisse hat und diese eben befriedigen kann und vielleicht irgendwann genug hat … Kannst du mir vielleicht ein paar Stützen geben wie ich in die richtige Richtung kommen kann? Ich bin hier leider komplett in einer Schleife.

 

Warum es so schwer ist, eine offene Beziehung loszulassen

Ich kann Richard gut verstehen. Es ist der klassische Fall des hin- und hergerissen Seins … Bauch gegen Kopf, Herz gegen Verstand, bittere Enttäuschung gegen süße Hoffnung …

Du weißt ganz genau, dass diese Beziehung dir nicht guttut, aber du kannst auch nicht loslassen, weil es doch noch eine klitzekleine Chance gibt, dass es so schön werden könnte.

Was kann man da tun?

Falls du dir auch unsicher bist, ob du wirklich loslassen solltest, kann mein kostenloser Trennungstest dir helfen, Klarheit zu gewinnen.

 

Hier ist meine Antwort an Richard:

[…]

Das Problem ist hier, dass der Verstand sich wieder einschaltet und versucht, dich mit mehr oder weniger „rationalen Gründen“ zu überreden: „ich mag sie ja noch“, „sie mag mich auch noch“, „vielleicht hat sie ja irgendwann genug“ … Das alles sind Argumente der Hoffnung. Und Hoffnung ist am Ende ja nichts anderes als Angst, wie ich im Buch genauer erklärt habe.

Es ist also am Ende nichts anderes als die Angst und damit das Ego, das da spricht, wenn du sie nicht loslassen willst. Das Ego versucht dieses Festhalten dann aber als Loslassen zu verkaufen, weil du ja „ihre Bedürfnisse akzeptieren und deine engstirnige Sichtweise loslassen könntest“. Das ist nicht Loslassen. Das ist emotionale Abhängigkeit.

 

Ich denke, du solltest deinen Fokus ändern …

Für mich klingt es so, als wärst du momentan sehr stark bei ihr:

  • Was will sie?
  • Was braucht sie?
  • Wann wird es bei ihr vorbei sein?

Aber was ist mit dir? Was willst du? Was brauchst du?

Scheinbar willst du ja keine polyamore Beziehung, in der sie ihre Wünsche ausleben kann. Da sollte man auch keine Kompromisse machen, wenn das nicht für beide OK ist.

Wenn du jetzt für dich selbst weißt, dass du das nicht willst und damit nicht glücklich wirst, dann ist doch jede Sekunde, in der du versuchst, diese Beziehung in Einklang mit deinen inneren Bedürfnissen zu bringen, verschwendete Liebesmüh.

 

Du hältst das Rad immer weiter am Laufen

Wenn du nun trotz deines inneren Widerwillens immer wieder kurz mit ihr zusammenkommst, lebst du mit ihr im Prinzip genau das, was sie wollte, nämlich eine polyamore Beziehung. Nur ohne das zu bekommen, was du willst.

Sie wollte eine Beziehung, in der sie mit verschiedenen anderen, verschiedene Dinge machen kann, aber du immer ihre stabile Säule bist, zu der sie zurückkommen kann. Jetzt nennt ihr es nicht Beziehung, aber im Prinzip macht sie genau das.

 

Beende den Teufelskreis!

Ich denke, wenn du in dich hineinspürst, weißt du schon irgendwo in dir drin, dass die Trennung für dich das Beste wäre. Und wahrscheinlich auch für sie, denn solange sie ihre Bedürfnisse – wenn auch mehr schlecht als recht – irgendwie befriedigen kann, hat sie auch keinen Anreiz etwas zu ändern und herauszufinden, wie sie am Ende wirklich leben und lieben will.

Ich kann das Ganze natürlich auch völlig falsch einschätzen. Ich kenne ja weder dich, noch sie und alleine aus deinen Schilderungen kann ich auch die Situation nur sehr oberflächlich nachempfinden. Aber ich kenne ähnliche Situationen aus meinem eigenen Leben und kann dir aus meiner Erfahrung sagen, dass es bisher nie gut ausgegangen ist, wenn ich nicht auf meine innere Stimme gehört habe, sondern irgendeiner Hoffnung nachgelaufen bin.

Wenn du einen Gedanken brauchst, der dir hilft, die Trennung durchzuziehen, dann könnte das Folgende dir helfen:

 

Solange du ihr Spiel mitmachst, wird sie sich niemals für dich entscheiden …

Überleg doch mal:

Sie kriegt alles was sie will.

Die emotionale Stabilität und das Aufgefangensein einer Beziehung mit dir und das Kribbeln und die spannenden Abenteuer mit anderen. Warum sollte sie etwas davon freiwillig aufgeben?

Sie kann ohne Konsequenzen beides haben. Das ist meist nicht einmal eine sehr bewusste Entscheidung. Es ist oft unbewusst. Aber solange es ihr eben auch nicht bewusst wird, weil zum Beispiel eine der beiden Quellen ihrer Bedürfnisse versiegt, solange hat sie auch keinen Grund, sich bewusst damit auseinanderzusetzen.

Jetzt kommt der spannende Teil:

 

So brichst du den Bann!

Wenn du einen harten Schnitt machst und die Trennung endgültig durchziehst, dann hat sie plötzlich nicht mehr alles, was sie wollte.

Nun muss sie zwangsläufig anfangen, sich zu fragen, was ihr wichtiger ist.

Das kann dazu führen, dass ihr das Abenteuer wichtiger ist und sie dich auch besser loslassen kann. Oder sie sucht sich einen neuen „Fels in der Brandung“, zu dem sie immer wieder kommen kann. Vielleicht merkt sie aber auch erst genau dadurch, dass ihr die Beziehung zu dir eigentlich wichtiger war …

Und vielleicht erkennst du, dass du sie gar nicht brauchst und auch ohne sie super zurecht kommst. Vielleicht blühst du sogar richtig auf, weil du deinen Fokus endlich auf dich legst. Und vielleicht merkt sie das alles und will dann wieder zu dir zurück.

Vielleicht will sie das auch nicht. Das ist dir dann aber egal, weil du eben gar nicht mehr davon abhängig bist!

Aber Vorsicht:

 

Die Gefahr dabei …

Du kannst diesen Gedanken als Motivation nutzen, um endlich den harten Schritt der endgültigen Trennung zu gehen, aber:

Du solltest dich trotzdem wirklich ENDGÜLTIG von ihr trennen.

Wenn du dich nur trennst, weil du damit bezwecken willst, dass sie sich für dich entscheidet, wirst du das nicht wirklich durchziehen können. Denn du lässt nicht wirklich los. Du gibst vor, loszulassen, um weiter festzuhalten. Du manipulierst. Und du verarschst dich damit nur selbst und bleibst weiter abhängig.

Wie du loslässt, ohne immer wieder zurückzufallen, erfährst du in diesem Beitrag.

 

In diesem Sinne:
Bleib vernünftig ;-)

Norman „verbieg dich nie für andere!“ Brenner

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