Wenn du immer für andere da bist, verlierst du irgendwann dein eigenes Leben …
Beitrag anhören:
„Ich tue so viel für andere, dass ich keine Zeit für mich selbst habe!“
Kommt dir das bekannt vor?
Ich kenne das gut. Eine Zeit lang habe ich sehr viel Wert darauf gelegt, möglichst nützlich für andere zu sein. Während dieser Zeit hatte ich kaum noch etwas von meinem eigenen Leben. Ich habe mich aufgeopfert.
Der Prozess dahin ist schleichend:
Exklusiv: Dieser Text erschien zuerst in meinem Newsletter Sinn am Sonntag.
Hol dir die wöchentlichen Impulse direkt ins Postfach – kostenfrei + Ebook.
Inhaltsverzeichnis
- Wie du dein eigenes Leben verlierst …
- Woran merkst du, dass du dich zu sehr für andere aufopferst?
- Warum wir andere über uns selbst stellen
- Bist du nützlich, wirst du ausgenutzt …
- Du nimmst anderen die Chance zu wachsen
- Zwei Sprüche, die mir geholfen haben …
- Nütze zuerst dir selbst!
- Wie du lernst Nein zu sagen
- Am Ende liegt die Entscheidung bei dir
Wie du dein eigenes Leben verlierst …
Viele Menschen merken gar nicht, wie schnell man beginnt, immer für andere da zu sein – bis für das eigene Leben kaum noch Zeit übrig bleibt.
- Jemand bittet dich um einen Gefallen und du hilfst.
- Ein Familienmitglied macht eine schwere Zeit durch und du stehst ihm bei.
- Dein Chef bietet dir eine Stelle mit mehr Verantwortung an und du nimmst an.
Alles noble Gesten.
Es kommt aber immer Scheibchen für Scheibchen ein bisschen mehr dazu.
Bis du irgendwann völlig überladen bist und gar keine Energie mehr für dein eigenes Leben hast.
Woran merkst du, dass du dich zu sehr für andere aufopferst?
Typische Anzeichen sind:
- Du fühlst dich ständig erschöpft.
- Du hast kaum noch Zeit für Dinge, die dir selbst wichtig sind.
- Du fühlst dich schuldig, wenn du Nein sagst.
- Andere erwarten automatisch, dass du hilfst.
Chronische Unzufriedenheit, Abgeschlagenheit, Burnout oder sogar eine Depression sind oft irgendwann die Folge.
Kurz: Du verlierst den Spaß an deinem eigenen Leben …
Warum lassen wir es so weit kommen? Warum wollen wir immer für andere da sein?
Warum wir andere über uns selbst stellen
Weil wir Anerkennung suchen …
Das Problem ist, dass es sich zunächst auch noch alles gut anfühlt!
- Du bist hilfsbereit.
- Du unterstützt die Familie.
- Du bist wirst gebraucht.
Du bekommst Anerkennung. Der süße Nektar, mit dem wir uns leichter ködern lassen, als Motten vom Licht:
„Ach du bist doch ein Profi mit Steuererklärungen, könntest du mal eben …?“
Ein weiterer Pluspunkt für dieses Verhalten ist: Du vermeidest Ablehnung. Was würde man wohl von dir denken, wenn du Nein sagen würdest?
Wir sind so fixiert auf die unmittelbare Belohnung der Anerkennung und das Vermeiden von unmittelbarem Schmerz durch Ablehnung, dass wir komplett außer Acht lassen, was das langfristig für uns selbst bedeutet.
Das große Problem ist:
Bist du nützlich, wirst du ausgenutzt …
Wenn andere merken, dass du ihnen nützlich bist, dann nutzen sie dich aus!
Egal ob es dein Chef oder dein Sohn ist.
Das ist oft nicht einmal böse gemeint. Das ist ganz natürlich. Es ist der Weg des geringsten Widerstandes. Ist ja logisch: Solange jemand etwas super für dich erledigt, musst du es nicht selbst erledigen. Das hatten wir schonmal besprochen:
Wenn du deinem Kind jeden Tag das Essen kochst und die Wäsche wäschst, hat es keinen Anreiz, das selbst zu lernen.
Wenn du anderen immer hilfst, nimmst du ihnen damit jedes Mal den Druck, selbst eine Lösung zu finden. Und damit nimmst du ihnen jedes Mal auch die Chance, selbst zu wachsen.
Das habe ich am eigenen Leib schon in beide Richtungen erlebt:
Du nimmst anderen die Chance zu wachsen
Was glaubst du, warum jemand gut mit Steuererklärungen ist?
Weil er sie immer von jemand anderem machen lässt? Nein, weil er sie selbst macht. Vielleicht sogar, weil er beim ersten Mal einfach niemanden hatte, der ihm geholfen hat und sich da selbst hineinfuchsen musste … so war es zum Beispiel bei mir. Erst wenn der Druck groß genug ist, versuchen wir, selbst eine Lösung zu finden.
Solange uns jemand etwas abnimmt, lassen wir es uns abnehmen.
Ich habe deshalb zum Beispiel erst ziemlich spät gelernt, einen Haushalt zu führen. Früher hat mir das meine Mama abgenommen und später meine Frau. Dann kam die Scheidung und eine eigene Wohnung. Plötzlich musste ich das alles selbst machen. Und siehe da: Es war alles kein Hexenwerk.
Aber zurück zum Thema. Wie durchbricht man nun diesen Teufelskreis?
Mir fallen dazu zwei Sprüche ein …
Zwei Sprüche, die mir geholfen haben …
Diese zwei Sprüche haben mit geholfen, aus diesem Teufelskreis des ausgenutzt und anerkannt Werdens auszubrechen:
„Wenn du nicht daran arbeitest, deinen eigenen Traum zu verwirklichen, wird dich jemand ausnutzen, um seinen zu verwirklichen.“ – Dhirubhai Ambani
Und:
„Der krumme Baum lebt sein Leben, der gerade Baum wird ein Brett.“ – Chinesische Weisheit
Deshalb:
Nütze zuerst dir selbst!
Es ist traurig aber wahr:
Je nützlicher du für andere bist, desto mehr werden sie dich ausnutzen.
Das ist meist kein böser Wille. Das ist der natürliche Lauf der Dinge. Genauso wie du Dinge oder andere Menschen nutzt, solange sie dir nützlich sind.
Deshalb liegt es an dir, von vorne herein zu entscheiden, wie verfügbar du dich für andere machen willst.
Das ist zum Beispiel der Grund dafür, warum ich mich dagegen entschieden habe, Coachings anzubieten, obwohl ich ständig danach gefragt werde. Ich liebe es, mich mit den Themen des Lebens zu beschäftigen, aber ich weiß ganz genau, dass ich vollkommen ausbrennen würde, wenn ich mich neben meinen eigenen Problemen auch noch dauernd mit den Problemen von anderen Menschen belasten würde.
Du musst erkennen, wann dir etwas zu viel wird. Und dann auch Grenzen setzen. Und halten.
Nein sagen ist das Stichwort.
Wie du lernst Nein zu sagen
Ich weiß … keine leichte Sache.
Zum Glück habe ich bereits eine dreiteilige Beitragsserie dazu erstellt:
- Sie beginnt mit der Frage, wie man die Angst vor dem Nein sagen loswird,
- geht über zu 9 praktischen Übungen und Beispielen zum Nein sagen
- und endet mit 19 sofort nutzbaren Formulierungen zum Nein sagen ohne Schuldgefühle.
(Alles auch zum Anhören als Podcast verfügbar)
Am Ende liegt die Entscheidung bei dir
Du kannst für andere da sein.
Du kannst helfen.
Du kannst unterstützen.
Aber nur solange du dabei dich selbst nicht verlierst.
Hilfsbereitschaft ist eine Stärke. Aber die eigenen Grenzen zu kennen und zu kommunizieren ist noch eine viel wichtigere Stärke.
Wenn du lernst, deine eigenen Grenzen zu respektieren, passiert oft etwas Paradoxes:
Die Menschen, die dich vorher ausgenutzt und dich mit Anerkennung geködert haben, respektieren dich auf einmal noch viel mehr. Weil deine Unterstützung nicht mehr garantiert ist. Weil sie merken, dass du deine eigene Zeit und Energie selbst schätzt. Deshalb schätzen sie sie auch.
Das ist am Ende natürlich mal wieder nichts anderes als der Weg des Wassers und der Grund dafür, warum dir im Leben alles zufließt, wenn du endlich loslässt …
In diesem Sinne:
Bleib vernünftig ;-)
Norman „Sei der krumme Baum“ Brenner

