Ich kann nicht glücklich sein …

Warum bin ich unglücklich – obwohl ich eigentlich alles habe?

„Ich kann nicht glücklich sein!“

Manchmal denke ich das von mir.

Ständig kreisen meine Gedanken …

  • Was hat der Kollege über mich gesagt?
  • Wie wird wohl dieser wichtige Termin verlaufen?
  • Warum hat mich dieses Mädchen damals abblitzen lassen?

Sorgen, Ängste, schlechte Erinnerungen. All das quält mich und lässt mich nicht nur so manche Nacht wach liegen, sondern versaut mir auch noch so manchen Tag. Weil ich nicht wirklich im Hier und Jetzt sein kann, sondern immer mit den Gedanken in der Vergangenheit oder der Zukunft unterwegs bin. Und deshalb frage ich mich:

Warum versaue ich mir selbst so das Leben?

Exklusiv: Dieser Text erschien zuerst in meinem Newsletter Sinn am Sonntag.
Hol dir die wöchentlichen Impulse direkt ins Postfach – kostenfrei + Ebook.

 

Warum bin ich unglücklich?

Die Antwort ist: Weil ich ein Mensch bin …

Tiere sind fast immer zufrieden mit einer angenehmen Gegenwart. Bei uns Menschen ist das anders. Wir brauchen immer eine angenehme Erwartung.

Es ist paradox:

  • Wenn du eine angenehme Erwartung an die Zukunft hast, kannst du dich auch mit einer erbärmlichen Gegenwart arrangieren: „Durchhalten, nur noch bis nächste Woche, dann wird alles gut!“
  • Wenn du aber schlechte Aussichten für die Zukunft hast, bist du selbst inmitten der größten augenblicklichen Freuden grenzenlos unglücklich.

Ein Beispiel:

 

Eine Operation steht an …

Sagen wir, du hast eine Operation in zwei Wochen.

Bis zum Zeitpunkt des Eingriffs geht es dir super. Du hast keine Schmerzen und hast alles, was du brauchst. Du verbringst eine schöne Zeit mit Freunden und Familie, hast genug Geld, bekommst gutes Essen und könntest das Leben eigentlich in vollen Zügen genießen. Aber das tust du nicht. Du tust das Gegenteil: Du leidest …

Du leidest, weil du dir Sorgen wegen der Operation machst. Und zwar nicht in einer produktiven Art und Weise. Die Vorbereitungen und wichtigen Entscheidungen sind alle schon getroffen. Selbst dein letzter Wille ist bereits geklärt, falls der schlimmste Fall eintreten sollte. Du grübelst einfach unproduktiv über ein möglicherweise schlechtes Ergebnis. Dadurch kannst du die garantiert gute Zeit im Hier und Jetzt nicht genießen!

Das ist doch absurd! Aber genau das ist das klassische Problem von uns Menschen. Wir machen uns das Leben immer wieder selbst schwer …

 

Wir leben immer in der Zukunft (oder Vergangenheit)!

Wir können die Gegenwart nicht genießen, wenn uns nicht auch eine rosige Zukunft versprochen wird.

Oder wenn wir nicht auch auf eine erfüllte Vergangenheit zurückblicken können. Die reißt uns nämlich ganz genauso immer wieder aus dem Hier und Jetzt:

„Wenn doch nur diese eine Bewerbung damals geklappt hätte, dann wäre ich jetzt ein erfolgreicher Manager und könnte das Leben richtig genießen …“

Die Fähigkeit des Erinnerns und des Voraussehens ist es, die uns von Tieren unterscheidet. Sie ist ein Segen, weil sie uns zu all dem befähigt, wozu Tiere nicht in der Lage sind. Aber sie ist auch ein Fluch, weil sie uns die Freude am Leben im Moment raubt.

Du kannst 90 oder 100 Jahre alt werden, ohne einen einzigen Tag wirklich gelebt zu haben. Weil du immer nur damit beschäftigt bist, das Leben vorzubereiten. Oder verpassten Chancen hinterher zu trauern.

 

So wirst du niemals glücklich sein

Wenn dein Glück hauptsächlich darin besteht, glückliche Erinnerungen oder freudige Erwartungen zu genießen, dann wirst du nie glücklich sein. Selbst dann nicht, wenn deine Erwartungen tatsächlich eintreten! Weil du ja in dem Moment, in dem dein Glück wahr wird, schon wieder etwas Neues erwartest! Zum Beispiel, dass dieser Zustand nun anhalten sollte, was er natürlich nie tut …

 

Hör auf, dich auf des Leben vorzubereiten …

Lebe jetzt!

Was bringt es, dich ständig nur um die Zukunft zu sorgen?

  • Wenn deine positiven Erwartungen nicht eintreffen, bist du ewig unglücklich.
  • Wenn sie doch eintreffen, wirst du sie ohnehin nicht genießen können, weil du schon wieder bei der nächsten Erwartung bist.

Es ist als würdest du deinen Seelenpartner treffen, aber anstatt ihm ins Gesicht zu schauen, schaust du ihm immer nur links oder rechts über die Schulter, um zu sehen, ob da nicht noch ein anderer kommt. Oder du wischst immer weiter nach links und rechts in deiner Dating-App, was bei vielen ja tatsächlich der Standard ist …

 

Schau dem Leben ins Gesicht! (Ein einfacher Trick)

Hier und Jetzt.

„Das würde ich ja gerne, Norman, aber wie soll ich das machen?“, fragst du dich jetzt bestimmt.

Gute Frage … wie kannst du dein menschliches Bedürfnis nach Ausblick und Rückblick loslassen und dich wieder mehr im Hier und Jetzt zu Hause fühlen?

Es gibt einen schockierend einfachen Trick, um sofort ins Hier und Jetzt zu kommen. Ich habe diesen Trick bereits ausführlich in einem eigenen Beitrag beschrieben, aber du bekommst von mir jetzt die Kurzfassung:

Mach dir klar, dass du sterben wirst …

 

Du wirst sterben …

Klingt nicht wirklich positiv, ich weiß. Aber es ist schon wieder paradox:

Stell dir vor, du hättest nur noch ein Jahr zu leben …

Wie würdest du dieses letzte Jahr verbringen?

  • Mehr Vorsorgen für die Zukunft? Mehr arbeiten, Dinge Kaufen, Besitz anhäufen, Versicherungen abschließen oder für die Rente sparen?
  • Oder würdest du diese letzten 365 Tage möglichst in vollen Zügen auskosten? Sie mit Freunden und Familie verbringen, die Natur und das Leben genießen und Dinge tun, die du schon immer einmal tun wolltest?

Ich schätze, du würdest die zweite Option wählen, genauso wie ich.

Aber jetzt kommt der Punkt:

 

Wer garantiert dir, dass du noch so lange leben wirst?

Wer garantiert dir, dass du 50, 60 oder gar 90 Jahre alt wirst?

Ja, es gibt gewisse Tendenzen und Statistiken, aber ist das ein Garant dafür, dass genau DU auch so alt wirst?

Für jeden von uns kann das Leben im nächsten Moment schon vorbei sein! Und wie viele hat der Tod schon unerwartet in der Blüte ihres Lebens ereilt?

Was nun, wenn du wüsstest, dass du nicht im nächsten Jahr, sondern im nächsten Moment sterben würdest? Was würdest du aus diesem letzten Moment machen?

Das beste natürlich. Du würdest den Moment genießen und völlig präsent sein, ganz egal, wo du gerade bist und was du gerade tust.

Das ist die Macht, die uns das Bewusstsein über den Tod gibt. Es legt eine Art Schalter in unserem Kopf um. Es macht uns die Dringlichkeit des Lebens bewusst.

Tatsächlich ist das nur einer von vielen positiven Aspekten des Todes. So unlogisch es auch klingt, aber:

 

Der Tod macht das Leben lebenswert!

Weil er dir vor Augen führt, wie kostbar deine Zeit hier auf der Erde wirklich ist. Das vergessen wir im Alltag ständig.

Es ist paradox (ja, zum dritten Mal):

  • Wenn wir den Tod verdrängen, verpassen wir das Leben. Weil wir uns nur darauf vorbereiten, irgendwann einmal „besser“ zu leben.
  • Wenn wir den Tod aber akzeptieren und würdigen, dann schenkt er uns Lebenszeit. Und zwar sofort.

Welche Erkenntnis liegt dem Ganzen wieder einmal zugrunde?

 

Was steckt dahinter?

Das Loslassen.

Lass die Erwartungen los, wie dein Leben sein sollte, und lebe es so, wie es jetzt gerade ist. Das macht glücklich.

Oder wie Seneca zu sagen pflegte:

Den größten Reichtum hat, wer arm ist an Begierden.

Paradoxerweise steigert das sogar deine Chancen, dass dein Leben noch besser wird, als du es selbst jemals erwartet hättest! Weil du die Hände frei hast für das, was dir das Leben zufließen lassen will. Davon berichten mir so viele Menschen, die mein Buch gelesen haben. Und ich selbst kann es auch bestätigen.

 

In diesem Sinne:
Bleib vernünftig ;-)

Norman „Lebe. Jetzt!“ Brenner

>