Ist deine Kreativität blockiert? Dann mach weniger …
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Ist deine Kreativität blockiert? Was tun?
Hier ist ein Tipp:
Reduziere die Optionen!
Weniger ist mehr … Das gilt nicht nur für anzügliche Witze im Gottesdienst, sondern ist auch der beste Weg, um kreativer zu werden.
Lass mich das erklären:
Exklusiv: Dieser Text erschien zuerst in meinem Newsletter Sinn am Sonntag.
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Inhaltsverzeichnis
- Kinder haben zu viel Spielzeug …
- Begrenzung fördert Kreativität!
- Zu viel Auswahl blockiert deine Kreativität
- Der Knoten war geplatzt
- Beseitige die Qual der Wahl!
- Limitiere dich freiwillig …
- Das Prinzip hilft dir auch anderswo …
- Verzicht bündelt deine Kreativität!
- Zu viel Auswahl blockiert dich
- Verzicht macht glücklich …
- Weniger ist tatsächlich mehr.
Kinder haben zu viel Spielzeug …
Kürzlich las ich einen Bericht:
Kinder sind scheinbar kreativer, wenn sie weniger Spielsachen haben. Wenn sie zum Beispiel statt einer Kiste voll mit Barbies oder Action-Figuren nur einen leeren Karton haben. Dann werden sie erfinderisch.
Sie setzen sich in den Karton und benutzen ihn als Boot oder Auto. Oder sie schneiden ein Loch hinein und machen einen Fernseher oder ein Puppentheater daraus. Oder sie malen ihn an oder basteln ein Haus daraus … die Möglichkeiten sind endlos.
Der Punkt ist folgender:
Begrenzung fördert Kreativität!
Anstatt ein Spielzeug zu nutzen, das ihnen vorgibt, was damit gespielt werden soll (z.B. Barbie), fragen sich die Kinder:
Was kann ich damit spielen?
Und dadurch wird automatisch sofort die Fantasie angeregt.
„Ok, schön und gut, aber was hat das jetzt mit mir zu tun? Schließlich bin ich ja kein Kind mehr.“, denkst du jetzt bestimmt. Jetzt kommt’s:
Ein paar Tage später sitze ich mit meiner Frau am Küchentisch. Wir haben uns vorgenommen, bunte Bilder zu malen, um das neu eingerichtete Kinderzimmer zu dekorieren.
Sofort sprangen uns Tausend Fragen in den Kopf:
Zu viel Auswahl blockiert deine Kreativität
- Was sollen wir malen? Tiere? Landschaften? Uns selbst?
- Worauf sollen wir es malen? Leinwand? Papier? Karton?
- Womit sollen wir malen? Mit Filzstiften? Wasserfarbe? Buntstiften?
- Wie groß sollen die Bilder werden?
Wir waren beide total überfordert und wie gelähmt von all den Möglichkeiten.
Dann trafen wir eine Entscheidung:
Wir malen Pokémon. Mit Filzstiften. Auf Papier. Und es soll in einen bestimmten Bilderrahmen passen.
Bäm. Jeder schnappte sich ein Blatt Papier und beide begannen wir sofort damit, unser Lieblings-Pokémon zu zeichnen. Meins ist übrigens Schiggy, das Wasser-Pokémon ;-)
Sobald die Grenzen klar definiert waren, fiel es uns auf einmal total leicht, anzufangen und kreativ zu sein. Da fiel mir plötzlich etwas auf …
Der Knoten war geplatzt
Auf meinem Blog hatte ich das gleiche Problem. Ich hatte immer große Probleme, passende Bilder zu finden, um meine längeren Beiträge etwas aufzulockern. Weil es einfach viel zu viele Möglichkeiten im Netz gab. Die Suche dauerte ewig und am Ende fand ich zwar immer ein Bild, das irgendwie zum Thema passte, aber doch nicht so 100%ig meine Gedanken veranschaulichte.
Dann traf ich irgendwann eine Entscheidung:
Ich zeichne selbst kleine Karikaturen. Es sollen einfache Strichmännchen sein, mit schwarzen Strichen auf weißem Hintergrund.
Zack – auf einmal war die kreative Blockade gelöst. Nicht nur, dass ich jetzt viel schneller ein passendes Strichmännchen selbst zeichnen kann, als im Netz ein passendes Bild zu finden … Die Beschränkung auf den Stil befeuert regelrecht meine Kreativen Gedanken, die daraus ausbrechen wollen. So zum Beispiel:
Und da wurde mir klar, dass das doch genau das Prinzip mit dem Kinderspielzeug ist, von dem ich gelesen hatte:
Beseitige die Qual der Wahl!
- Je mehr Möglichkeiten du hast, desto weniger kreativ bist du.
- Je mehr du die Möglichkeiten beschränkst, desto erfinderischer wirst du.
Weil du dich nicht mehr fragst „Welche Möglichkeit soll ich wählen?“, sondern weil du dich fragst „Was kann ich im Rahmen DIESER Möglichkeit machen?“.
Es ist mal wieder paradox:
Vorgaben bringen Kreativität.
Limitiere dich freiwillig …
Nicht nur, weil es dir dann leichter fällt loszulegen, sondern auch weil es dir viel leichter fällt „out of the box“ zu denken. Das ist ja der Inbegriff von Kreativität, den wir alle immer bewundern: Wenn jemand eine Lösung für ein Problem findet, an die vorher noch nie jemand gedacht hat. Zum Beispiel ein Handy ohne Tasten, das nur aus einem Touchscreen besteht. Boom.
Aber um „out of the box“ zu denken, musst du eben erst einmal eine Box haben. Ein begrenztes Spielfeld sozusagen. Genau wie die Kinder, die erst einmal auch nur eine Box aus Karton haben.
„Toll, Norman! Nur leider bin ich kein Erfinder und ich male im Gegensatz zu dir auch keine Kinderbilder. Was soll ich also mit deinem tollen Rat anfangen?“, denkst du jetzt vielleicht.
Das Prinzip hilft dir auch anderswo …
Wenn du zum Beispiel einen Text schreiben musst, öffne nur einen einfachen Texteditor. Keine fancy Schreibsoftware mit tausend Funktionen. Keine hundert Internetfenster.
Konzentriere dich nur auf das Schreiben. Nicht auf die unzähligen Formatierungsoptionen. Nicht auf die Veranschaulichung durch Bilder. All das kannst du im Nachhinein machen.
Beschränke dich! Dann fließt deine Kreativität automatisch in das begrenzte Feld, das übrig bleibt: deine Worte. Weil dein Gehirn sich fragt „Was kann ich mit dieser leeren Seite und meinen Gedanken anstellen?“ und nicht „Welchen Absatz von Wikipedia soll ich kopieren und welche Schriftart soll ich nutzen?“.
Genau so mache ich das übrigens auch für meinen Newsletter, meine Blogartikel und sogar meine Bücher. Ich beschränke mich nur auf den Text, in einem möglichst ablenkungsfreien Editor.
Verzicht bündelt deine Kreativität!
Das gleiche Prinzip gilt für jede andere kreative Tätigkeit.
Egal, ob du einen Kuchen backst, Musik machst oder einen Entwurf für das nächste Meeting auf der Arbeit machen sollst.
Beschränke dich auf eine Box. Und dann lass deinen Verstand aus dieser Box ausbrechen.
Aber es geht sogar noch weiter …
Die Limitierung von Möglichkeiten hilft dir nicht nur dabei, die Kreativ-Handbremse zu lösen, sondern löst auch noch viele andere Blockaden im Leben:
Zu viel Auswahl blockiert dich
Wenn du zum Beispiel in einer kleinen Eisdiele mit nur 5 Sorten ein Eis aussuchst, fällt dir das viel leichter, als wenn du dich zwischen 50 Sorten entscheiden musst. Weil du weniger Opportunitätskosten hast …
In der kleinen Eisdiele „verpasst“ du nur 4 Sorten, wenn du dich für eine entscheidest. In der großen Eisdiele sind es 49. Wie hätte wohl tropical mango Schlumpf geschmeckt? Oder triple choc nutella Swirl?
Das Paradoxe ist: Wenn du weniger Sorten zur Auswahl hast, fällt dir nicht nur die Entscheidung leichter. Du bist danach auch noch glücklicher mit deiner Wahl! Das haben Forscher in einer Studie mit genau diesem Eisdielen-Experiment herausgefunden. Und das lässt sich natürlich auch auf andere Lebensbereiche übertragen:
Verzicht macht glücklich …
Beispielsweise blockiert uns die schier endlose Auswahl an potentiellen Partnern in Dating-Apps. Früher, als es diese Apps noch nicht gab und die Auswahl sich auf den eigenen Bekanntenkreis beschränkt hat, fiel nicht nur die Entscheidung leichter, sondern man war auch glücklicher mit seiner Entscheidung. Weil man nicht so viel verpasste.
Wenn du also merkst, dass du in irgendeinem Bereich blockiert bist und dich nicht entscheiden kannst, versuche einfach mal deine Möglichkeiten zu beschränken. Zum Beispiel nur aus den Frucht-Eis-Sorten auszusuchen oder dich auf die ersten 10 Swipes in deiner Dating-App zu beschränken.
Es ist paradox:
Weniger ist tatsächlich mehr.
In den meisten Fällen können wir gar nicht genug Auswahl haben und merken nicht, dass wir uns genau damit selbst blockieren.
Wenn du dich aber freiwillig beschränkst, fließen dir die Entscheidung und das Glück plötzlich wie von selbst zu.
Du ahnst es bereits … genau das ist das Prinzip des Loslassens, auf das wir hier immer wieder in den verschiedensten Lebensbereichen stoßen. Lass die unzähligen Optionen los und damit deine Kreativität und dein Glück zu. Denn grundsätzlich fließt dir im Leben alles zu, wenn du endlich loslässt …
In diesem Sinne:
Bleib vernünftig ;-)
Norman „weniger ist mehr“ Brenner

