Paul Henkel

Tagebuch schreiben: 7 Gründe, warum es gegen Stress und Sorgen hilft (sogar wenn du gar nicht täglich schreibst)

Tagebuch schreiben: 7 Gründe

Tagebuch schreiben bringt doch nichts!

Reine Zeitverschwendung…

Das ließt doch ohnehin keine mehr.

Was soll das schon bringen, seine Gedanken in ein Heft zu schreiben?

Die Wahrheit ist: Jede Menge!

Tagebuch schreiben ist eines der effektivsten Mittel gegen Stress und Sorgen.

Gastautor Paul Henkel, Journalist und Autor, zeigt uns 7 überraschende Gründe, warum und wie Schreiben dich entspannt (und nein, es muss gar nicht täglich sein!):

 

Wieso Tagebuch schreiben gegen Stress wirkt

Wird dir auch manchmal alles zu viel?

Hast du das Gefühl aus deiner inneren Balance geraten zu sein?

Dann zück schon mal dein Notizbuch. Denn Schreiben ist eines der unterschätztesten Mittel gegen Stress.

  • Lange To Do -Listen, knappe Deadlines, große Pläne, wenig Zeit.
  • Das Handy piepst und brummt vom Weckerklingeln am Morgen bis Lichtausknipsen am Abend.
  • Den ganzen Tag  strömen Informationen auf uns ein.
  • Erwartungen im Job, vom Partner und von Freunden fordern unsere Energie und Aufmerksamkeit.

Es gibt unzählige Quellen für negativen Stress.

Um mich gegen diesen Stress zu schützen und konstruktiv mit ihm umzugehen, habe ich das Schreiben für mich entdeckt.

Schreiben ist ein extrem wirkungsvolles Mittel, um nicht nur Stress in den Griff zu bekommen, sondern als ganzer Mensch zu wachsen.

In anderen Ländern wie den USA sind Schreibtherapie und Journaling Therapie etablierte Methoden in Coaching und Psychologie.

Hier in Deutschland rückt die Kraft des Schreibens erst in den letzten Jahren mehr ins Bewusstsein.

 

7 überraschende Wege, wie Tagebuch schreiben dich entspannt

Gerade bei Stress und emotionalen Herausforderungen lässt sich Schreiben wirkungsvoll einsetzen.

Über 400 wissenschaftliche Studien bestätigen mittlerweile die positiven Effekte allein von einer Form der Schreibreflexion.

Hör also nicht auf mich, sondern auf die Forschungsergebnisse und die Erfahrungen der vielen anderen Schreibenden, die ihr Leben mit Stift und Papier ent-stresst haben.

Lass dich von den folgenden 7 Gründen überzeugen, das Schreiben selbst einmal auszuprobieren:

 

1. Schreiben entschleunigt

Wenn wir per Hand schreiben, brauchen wir meist mehr Zeit, um unsere Gedanken festzuhalten, als wenn wir sie in die Tastatur tippen.

Handschriftlich zu schreiben, ist auf diese Weise eine natürliche Entschleunigung.

Das Schreiben mit Stift und Papier ist auch motorisch ein zwar in den meisten Fällen automatisierter, aber dennoch hoch komplexer Vorgang.

Es erfordert Konzentration und  kanalisiert unsere Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt.

Kalligraphische Formen der Schreibmeditation machen sich dies zunutze. Dabei werden inspirierende Textabschnitte abgeschrieben. Der Stress des Alltags tritt in den Hintergrund, unser Unterbewusstsein kann Erlebtes verarbeiten und wir stärken unsere Gedanken mit positiven Inhalten.

 

2. Schreiben verbessert die Stimmung

Suchen wir nicht alle die Abkürzung zum Glück?

Wissenschaftler haben bisher noch keine Sofort-Lösung gefunden, die dauerhaft wirkt und uns keine Anstrengung abverlangt, aber sie haben doch eine Schnellstraße zum Glück ausmachen können:

Dankbarkeit.

Wer aus tiefem Herzen dankbar ist, beurteilt sein Leben positiver und fühlt sich besser, als jemand der eher die Schattenseiten des Lebens betrachtet.

Es ist nicht möglich, dankbar und wütend / traurig / gestresst zugleich zu sein.

Es lohnt sich also, Dankbarkeit zu trainieren, zum Beispiel mit einem Dankbarkeitstagebuch.

Du brauchst übrigens nicht täglich zu notieren, wofür du dankbar bist. Eine Studie der Universität Kalifornien fand heraus, dass Menschen, die einmal in der Woche über einen Zeitraum von zwei Monaten ein Dankbarkeitstagebuch führten, eine positivere Haltung dem  Leben gegenüber zeigten als Probanden, die ein solches Tagebuch nicht führten.

 

3. Schreiben schafft Klarheit

Entscheidungsschwierigkeiten, Zukunftsängste, Sorgen – In der Regel sind es unsere Gedanken, die uns in Stress versetzen, und weniger die objektiven Ereignisse, die wir erleben.

Wenn wir uns völlig in Gedankenkreisen verloren haben, dann kann das Schreiben ein Rettungsanker sein.

“Schreiben heißt sich selber lesen”

Sagte Max Frisch. Und viele von uns kennen den klärenden und ordnenden Effekt, die eigenen Gedanken aufzuschreiben.

Wenn wir das Chaos aus unserem  Kopf nehmen und auf das Papier bringen, dann schaffen wir Distanz und plötzlich finden wir neue Perspektiven, Ideen und Lösungsansätze, die wir vorher nicht sehen konnten.

Das mag auch daran liegen, dass wir beim handschriftlichen schreiben unsere linke Gehirnhälfte beschäftigen, die für rationales und analytisches Denken zuständig ist. Das gibt der rechten Gehirnhälfte die Chance, ungestört das zu tun, was sie am  besten kann: Unsere Intuition nutzen und kreative Lösungen finden.

Schreiben löst Denkblockaden und gibt uns die Möglichkeit, unser ganzes Denkpotenzial auszuschöpfen.

 

4. Schreiben fördert gesunden Schlaf

Vielleicht hast du es schon einmal erlebt, dass du dir etwas von der Seele geschrieben hast und danach konntest du besser einschlafen.

In der Behandlung von Schlafproblemen hat es sich gerade bei emotional bedingten Schlafstörungen bewährt, die eigenen Sorgen, Ängste und Zweifel vor dem Schlafen aufzuschreiben und damit ein Stück weit an das Notizbuch zu übergeben.

Das Aufschreiben beruhigt dein Unterbewusstsein.

Deine Sorgen sind nun festgehalten und dein Unterbewusstsein braucht dich nicht wach halten, damit du sie nicht vergisst.

Gerade in akuten Krisen und bei hartnäckigen Gedankenspiralen ist das eine wunderbare Methode, um zumindest für die Nacht loszulassen und sich zu entspannen.

 

5. Schreiben stärkt deine Intuition

Wenn wir schnell schreiben, ohne nachzudenken, einfach aus dem Impuls heraus, dann gewinnen wir über das Schreiben tiefe Einblicke in unsere Psyche.

Julia Cameron, eine amerikanische Schriftstellerin und Lehrerin, hat diese Form des Schreibens mit ihren Morgen Seiten bekannt gemacht:

Dazu setzt man sich jeden Morgen hin und schreibt intuitiv vier DINA4 Seiten zu allem, das einem durch den Kopf geht. Wichtig dabei ist, die eigenen Gedanken nicht zu hinterfragen oder sich vorab zu zensieren.

Lass das Schreiben einfach fließen.

Es kommt nicht darauf an, vollständige oder sogar eloquente Sätze zu formulieren. Schreib Wortreihen, Halbsätze und Wiederholungen – alles ist erlaubt.

Forscher haben übrigens herausgefunden, dass das Schreiben mit der nicht-dominanten Hand unsere beiden Gehirnhälften synchronisiert und den Zugang zu unserer inneren Weisheit unterstützen kann.

 

6. Schreiben ist dein vielleicht bester Freund

Möchtest du mit einem Freund über ein Problem reden, aber du hast niemandem, dem du genug vertraust?

Oder du befürchtest, deine Freunde zu stören, weil sie keine Zeit haben?

Echte Freunde werden sich Zeit nehmen, aber manchmal ist die Hürde einfach noch zu groß, um zu reden. Dann kann es ein erster Schritt sein, deine Gedanken einem Notizbuch anzuvertrauen.

Das Papier ist ein Freund, der immer da ist, der immer Zeit hat, dem du nichts vormachen musst und der dich nicht verurteilt.

Das Papier nimmt dich so, wie du bist.

Und häufig finden sich beim Schreiben Antworten oder Lösungsansätze, wenn wir uns gar nicht bemühen, sondern einfach aus unserem Herzen schreiben.

 

7. Schreiben verbessert deine soziale Kompetenz

Misslungene oder verletzende Kommunikation ist die Ursache für einen Großteil der Streits und einer der größten Stressfaktoren.

  • Dein Chef lässt seine schlechte Laune an dir aus und du traust dich nicht, ihn darauf hinzuweisen.
  • Dein Partner verhält sich komisch, aber weicht aus, sobald du ihn ansprichst.
  • Dir gelingt es nicht, dich in Meetings durchzusetzen und du fühlst dich schlecht deswegen.
  • Du hast deine Freunde schon mehrfach vor den Kopf gestoßen, weil du ihre unausgesprochenen Erwartungen enttäuscht hast.

In jedem Beispiel steht Kommunikation im Mittelpunkt, die entweder absichtlich, aus Ungeschicklichkeit oder Ignoranz verletzend verläuft.

Gelungene Kommunikation braucht Empathie und die Fähigkeit, sich in den verschiedenen sozialen Kontexten sicher zu bewegen.

Tagebuchführen und expressives Schreiben verbessern deine sozialen Fähigkeiten. Das haben verschiedene Studien belegt.

Wir lernen die eigenen Gefühle und Verhaltensmuster besser kennen, können unsere eigenen Bedürfnisse besser kommunizieren und für sie einstehen und gleichzeitig werden wir sensibler für die Empfindungen der anderen.

So paradox es erscheinen mag:

Der Blick in die eigene Innenwelt fördert unsere Empathie.

 

Wie funktioniert Tagebuch schreiben gegen Alltagsstress ganz konkret?

Du hast Lust, das Schreiben gegen Stress selbst einmal auszuprobieren?

Du fragst dich, was die beste Methode für dich ist, um anzufangen?

Welche Schreibübungen für dich gerade besonders gut funktionieren und dich weiterbringen, lässt sich nicht pauschal sagen. Das ist genauso individuell wie deine Handschrift.

Es hängt zum Beispiel von deiner aktuellen Lebenssituation, deinen Erwartungen an das Schreiben und deinen persönlichen Schreibvorlieben ab. Am besten du experimentierst einfach etwas.

Um dir den Start zu erleichtern, habe ich 5 konkrete Journaling-Übungen gegen Stress in meinem kostenlosen E-Book “Weniger Stress im Alltag” zusammengestellt. Da ist garantiert auch etwas für dich dabei.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Journaling. Berichte mir gerne, ob und wie dir das Tagebuch Schreiben geholfen hat, deinen Stresslevel zu senken.

Ich freue mich immer über andere Erfahrungen.

 

Fazit

Tagebuch schreiben ist ein effektives Mittel gegen Stress und Sorgen im Alltag.

Wir haben gesehen, dass Schreiben nachweislich:

  • deinen Geist ent-schleunigt
  • deine Stimmung verbessert
  • Klarheit schafft
  • gesunden Schlaf fördert
  • deine Intuition stärkt
  • dein bester Freund sein kann
  • deine soziale Kompetenz verbessert

Dabei ist Regelmäßigkeit gut, aber du musst es nicht täglich machen. Schon einmal pro Woche genügt.

Jetzt bist du dran. Hör auf zu lesen und fang an zu schreiben!

Du weißt nicht was? Fang am besten mit einem Kommentar zum Artikel an 😉

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Tagebuch schreiben: 7 Gründe, warum es gegen Stress und Sorgen hilft (sogar wenn du gar nicht täglich schreibst)
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Paul Henkel
Über Paul Henkel
Paul Henkel ist hauptberuflicher Wortwerker und ausgebildeter Coach. In einer persönlichen Krise entdeckte er, dass Schreiben mehr kann als Nachrichten zu transportieren und Produkte zu verkaufen. Schreiben kann ein Wegbereiter in ein glückliches Leben sein. Sein Wissen über Journaling und Schreiben für Persönlichkeitsentwicklung gibt er auf seinem Blog schreibenwirkt.de und in seinem Ebook weiter - damit noch mehr Menschen sich in ein Leben schreiben, das sie erfüllt.
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20 Kommentare - Schreibe den nächsten!

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  1. Norman Brenner

    29. August 2017 um 7:59

    Hey Paul,

    danke für diese tolle Übersicht über die entspannende Wirkung des Schreibens!

    Ich kann alle Punkte aus eigener Erfahrung bestätigen, sogar Punkt 6!

    Es gab eine zeit, da hab ich mir sogar mal selbst Emails geschrieben und sie mir dann auch noch beantwortet, als hätte mich eine andere Person um Rat gefragt ^^ Klingt vielleicht etwas gestört, aber es hat wirklich extrem geholfen! Kann ich also nur empfehlen 😉

    Schreibst du selbst neben deiner beruflichen Schreiberei auch noch privates Tagebuch?

    LG Norman

    Antworten
    • Paul Henkel Paul

      29. August 2017 um 9:40

      Hey Norman,

      danke für die Möglichkeit auf deinem Blog zu schreiben. 🙂

      Was du berichtest, find ich gar nicht gestört. Jeder hat ja unterschiedliche Seiten in sich und da lässt sich über einen Mailwechsel super Zugang zu gewinnen.

      Und ja, ich schreibe auch privat Tagebuch. Meist tägliche eine Abwandlung eines 5-Minuten-Journals und ausführlicher am Wochenende. Allerdings bin ich bei der Routine im Fluss und passe sie von Zeit zu Zeit an, so wie sich gerade für mein Leben richtig anfühlt.

      VG

      Paul

      Antworten
  2. Egbert

    29. August 2017 um 8:48

    Hey Norman und Paul, ich schreibe, also bin ich . noch da, bei Sinnen, bei Gefühlen, bei mir, bei anderen, beim Erleben. Viellicht erlebe ich intensiver? Und wenns zu viel wird, merke ich es (hoffentlich) Danke für die Anregung

    Antworten
    • Paul Henkel Paul

      29. August 2017 um 9:46

      Hey Egbert, das hast du schön gesagt. Ich schreibe, also bin ich… – das trifft es bei mir auch ganz gut. Und danke, dass du mit deinem Kommentar bestätigst, dass privates Schreiben, wie man es auch immer nennen mag, nicht nur etwas für Frauen ist ;).

      Antworten
  3. Margit

    29. August 2017 um 9:15

    Schon seit meinem 10. Lebensjahr schreibe ich Tagebuch. Nun bin ich 67 Jahre alt und habe alle diese Schätze aufgehoben. So kann ich eine gedankliche Zeitreise in meine Vergangenheit machen. Vor allem aber hat mir das Tagebuchschreiben sehr viel Trost gegeben, nicht immer hat man einen lieben Freund dem man sich anvertrauen möchte. Das Tagebuch ist ein geduldiger Zuhörer. Habe ich wichtige Entscheidungen zu treffen, hilft es mir, meine Gefühle und Gedanken zu diesem Thema zu klären. In Zeiten großer Einsamkeit lese ich darin über vergangene schöne Zeiten oder schreibe meine Wünsche und Vorstellungen, Ziele und Träume hinein. Ich habe 57 Jahre festgehalten, es sind Dokumente über mein Leben, die ich nicht mehr missen möchte. Ich schreibe nicht täglich, sondern sporadisch, wenn mich etwas beschäftigt, oder ich einfach Lust dazu habe. Es ist mein ganz persönliches Lebensdokument geworden. Ich möchte es nicht mehr missen!

    Antworten
    • Christiane

      29. August 2017 um 18:57

      Ein sehr schöner Beitrag, aber besonders faszinierend finde ich den Kommentar von Margit. Ich wünschte, ich hätte das Tagebuch-Schreiben auch einmal angefangen. Es liest sich bestimmt toll, Erinnerung aus weiter vergangenen Zeiten. Ich habe beschlossen, gleich morgen auch mit Schreiben anzufangen und hätte mit 67 dann zumindest 25 Jahre zum Schmökern. Vielen Dank für diesen Beitrag!!!

      Antworten
      • Margit

        29. August 2017 um 22:34

        Danke, Christiane!
        Ich habe begonnen, einen autobiografischen Roman zu schreiben, das macht mir großen Spaß, denn ich habe Außergewöhnliches erlebt, das ich gerne mit anderen teilen möchte. Ich bin sicher, dass es eine spannende Sache wird! Ich habe mir das Schreiben zwar einfacher vorgestellt, doch lerne ich extrem viel dabei und es kostet manchmal auch große Selbstüberwindung. Und das finde ich toll daran, weil man seine Grenzen erweitert.

      • Norman Brenner

        30. August 2017 um 6:16

        Hey Christiane,

        danke für deine Gedanken =)

        Ich finde das auch sehr beeindruckend, was Margit hier mit uns geteilt hat. Und ich finde es wundervoll, dass dich das gleich dazu motiviert hat, mit dem Schreiben anzufangen!

        Wie sieht es denn aus? Hast du heute schon deinen ersten Eintrag gemacht? =)

        =D Wenn vernuenftig-leben in 25 noch existiert, will ich auf jeden Fall einen Gastbeitrag von dir über das Tagebuch schreiben 😉

        Liebe Grüße

        Norman

      • Norman Brenner

        30. August 2017 um 6:24

        @Margit

        P.S.: Buchschreiben = Sich selbst kennenlernen… das kann ich absolut bestätigen! Wir haben uns ja schonmal etwas darüber ausgetauscht =) Bin gespannt auf dein Buch! Bleib dran!

        Mir hilft es im Moment übrigens sehr jeden Morgen 500 – 1000 Wörter zu schreiben. Ganz egal, ob die „perfekt“ sind. Einfach meine Gedanken fließen lassen. Vieles davon wird vielleicht später nie im Buch erscheinen oder nochmal total verändert, aber in der Regel ist auch immer etwas tolles und sehr wertvolles darunter =)

    • Norman Brenner

      30. August 2017 um 6:12

      Hey Margit,

      schön, auch hier im Blog wieder von dir zu lesen =) Ich hoffe, dir gehts gut?

      Wow, das ist wirklich eine ganz wunderbare Vorstellung! Ich habe erst vorgestern Peter in einem Kommentar geantwortet, dass er so etwas in Betracht ziehen könnte… Er hat Angst, durch einen plötzlichen Tod nicht mehr für sein Kind da sein zu können und ich meinte, er könne doch damit anfangen, seine Gedanken und Sicht auf die Welt mal niederzuschreiben, so könnte er selbst in diesem Fall noch für sein Kind da sein. Als Vermächtnis sozusagen. Siehst du dein Lebensdokument auch manchmal so?

      Ich liebe es auch, in meinen alten Artikeln oder Mails zu stöbern und mein vergangenes Ich darin wiederzuentdecken =) Aber du hast recht, das Schreiben an sich ist schon ohne das Ergebnis ein wirklich treuer Freund geworden.

      LG Norman

      Antworten
  4. Margit

    30. August 2017 um 23:14

    Lieber Norman,
    es ist mir noch etwas eingefallen. Beim Räumen der Elternwohnung nach Mutters Tod fand ich ihre Tagebücher. Das Lesen hat mich so sehr getröstet, es war als würde sie von einer anderen Ebene zu mir sprechen, ich konnte so sehr fühlen, was in ihr vorging, wie sie dachte und lebte, das hat mich ganz tief berührt und irgendwie besteht durch dieses Tagebuch immer noch eine Verbindung zu ihr.
    Sie war es auch, die mich im Alter von 10 Jahren dazu ermutigt hatte, meine Sorgen und alles was mich bewegt, in ein Tagebuch zu schreiben. Vielleicht ist es auch einmal tröstlich und hilfreich für meine Kinder. Ich würde mich freuen!

    Antworten
    • Norman Brenner

      4. September 2017 um 7:50

      Hey Margit,

      danke für dieses wunderbare Puzzlestück =)

      Genauso habe ich mir das auch schon mal vorgestellt.

      Allerdings finde ich eine Sache dabei zu bedenken: Wenn man auch diese Intension beim (Tagebuch-)Schreiben verfolgt, dann sollte man es nicht zur Voraussetzung machen, dass ein Kind oder sonst jemand einmal die texte ließt. Das führt eher zum Gegenteil, nämlich dass jemand keine Lust dazu hat und sich verpflichtet fühlt und falls er es dann doch tut, nicht wirklich interessiert ist.

      Da finde ich die Herangehensweise, die Tagebücher auf dem Dachboden zu verstecken und sie die Kinder wie einen alten Schatz selbst finden zu lassen viel besser. Stell dir mal vor, wie begeistert man dann beginnt zu lesen. Oh, musst du ja gar nicht, dir ist es ja so ergangen ^^

      Liebe Grüße und bis demnächst, liebe Margit!

      Norman

      Antworten
      • Margit

        4. September 2017 um 9:34

        Lieber Norman,
        ja, da gebe ich dir Recht, ich glaube meine Kinder wissen gar nicht dass ich Tagebuch schreibe, oder nur am Rande. Es bleibt auch ihnen überlassen, was sie einmal damit machen. Übersehen können sie sie ja kaum, da es eine ganze Kiste mit Büchern ist.
        Es würde mich vielleicht auch unter Druck setzen und beeinflussen, was ich schreibe, das soll es ja nicht, weil es in erster Linie mir dient, mein Leben besser zu gestalten und eine Art Selbstgespräch mit mir darstellen.
        Mein Leben gibt Material für mindestens vier Bücher, vorausgesetzt, dass ich lerne, gut und spannend zu schreiben. Da bin ich jetzt gerade am Lernen.
        Schön, hier sein zu dürfen, den Austausch finde ich ganz wunderbar! Liebe Grüße Margit

      • Norman Brenner

        5. September 2017 um 6:24

        Danke für diese wichtige Ergänzung, Margit =)

        Du hast vollkommen recht: Es sollte in erster Linie dir dienen!

        Meiner Erfahrung nach sollte man sich nicht zu sehr darauf konzentrieren, spannend zu schreiben. Das kommt von ganz alleine, mit der Übung und wenn man viel ließt. Aber wenn man sich diese Vorgabe von Anfang an setzt, kann einen das davon Abhalten, einfach loszuschreiben und zu entdecken, was dabei herauskommen will. Umformulieren kann man ja immer noch 😉 Und außerdem bin ich der Meinung, dass die Texte die besten sind, die man in ganz normaler Alltagssprache schreibt, wie wenn man mit seinem besten Freund oder seiner besten Freundin redet =)

        Macht mir auch sehr viel Spaß, hier mit euch =D Danke!

        LG Norman

  5. Andrea

    1. September 2017 um 12:08

    Hallo an alle, die dies hier lesen.
    Ja, auch ich führe seit etwa meinem 13. Lebensjahr Tagebuch, das sind nun immerhin 30 Jahre und auch ich kann nur bestätigen, daß das Schreiben selbst schon eine Therapieform ist, die heilend, fördernd und beruhigend wirkt. Der erste Eintrag galt meinem Gefühlsleben, als ich meinem ersten Freund begegnete – Teenieliebe -, und enthielt neben dem Text natürlich auch viele Herzchen und sogar ein Passfoto von ihm. Der Aufruhr meines Innenlebens mag Auslöser für den Start gewesen sein, seither hat es mich nie mehr ganz losgelassen. Ich habe mich selbst reflektiert, meinen Frust abgelassen, Pläne geschmiedet, Geheimnisse verstaut, Freud und Leid dokumentiert, Erfahrungen und Erlebnisse auf Reisen festgehalten, Traumbilder fixiert, gebrainstormt, verarbeitet, geträumt, phantasiert…
    Nebenher habe ich auch Gedichte geschrieben, was mir die Möglichkeit gab, Empfindungen, Gedanken und Erfahrungen in symbolischen Sprachbildern wiederzuspiegeln, auch ein spannender und sehr inspirierender Prozess!
    „Wer schreibt, der bleibt“, heißt es auch.
    Es war also unvermeidlich, daß auch mich die Schriftstellerei fasziniert und interessiert, als Leseratte versinke ich immer gern in den Geschichten Anderer und etliche haben mich zu Tränen gerührt, aus Freude oder Mitgefühl. Das geschriebene Wort hat eine erstaunliche Macht, und doch sollte man nicht alles glauben, was man liest, Zeitungen zum Beispiel betrachte ich eher kritisch, das Meiste ist unreflektierte Meinungsmache und eher Ablenkungsmanöver, denn Aufklärungs- oder Bildungsmedium, schade eigentlich.
    Auch ich möchte gern „Meine Geschichte“ oder etwas ähnliches schreiben, vielleicht auch mehrere kleinere autobiografisch angelehnte Storys, werde sehn, wie es sich entwickelt, könnte aber auch ein Jahrhundertprojekt werden, das Thema beschäftigt mich jetzt seit Jahren, im Rahmen eines Fernlehrkurses sind ein paar Kurzgeschichten entstanden und auch dort wurde das Tagebuchschreiben empfohlen. Inzwischen habe ich davon über 60 Stück vollgeschrieben und gesammelt,habe sogar die Seiten nummeriert (nachträglich!), um eine Art Themenindex zu erstellen, damit ich das „Material“ besser für Geschichten auswerten kann – so verrückt bin ich.

    Hatte sogar auch mal überlegt, meinen engsten Vertrauten je eines zu schenken… Ob sich mal wer für meinen „Nachlass“ interessiert, weiß ich nicht, es gibt ja aber auch noch das Deutsche Tagebucharchiv, wo solche Schätze gern gehoben und für die Nachwelt konserviert werden.
    Allerdings hatte ich auch schon den entgegengesetzten Gedanken, einen kleinen „Scheiterhaufen“ zu errichten und alles zu verbrennen: – Vergangenheit ist vergangen, es lebe das Jetzt -,“Vergesst die Spurensicherung, das Leben ist kein Verbrechen“-so kam es mir in den Sinn. Immerhin aber hat mich diese Vergangenheit zu der gemacht,die ich jetzt bin, insofern habe ich ihr viel zu verdanken, genauso wie dem Tagebuchschreiben. Es gibt so herrlich viele Möglichkeiten: Arbeitstagebuch, Familientagebuch, Zukunftstagebuch, Schreibtagebuch, Erfolgstagebuch, Traumtagebuch, Reisetagebuch, Gesundheitstagebuch, Wachstumstagebuch – die eigenen Grenzen erweitern und die Ergebnisse festhalten – … da muss ich gleich wieder loslegen…

    LG Andrea

    Antworten
    • Norman Brenner

      4. September 2017 um 7:04

      Hey Andrea,

      wow, danke für diesen lebhaften Einblick in dein „Schreibleben“ =)

      Ich finde das ganz und gar nicht verrückt! Wo lohnt es sich denn sonst, solche Liebe zum Detail hineinzustecken, wenn nicht in das eigene Leben?

      Ich kann dich auf jeden Fall nur ermutigen, ein Buch in Angriff zu nehmen. Der Prozess alleine ist nochmal etwas ganz anderes, als das Schreiben kleinerer einzelner Geschichten oder Blogbeiträge wie bei mir. So ein größeres zusammenhängendes Projekt ist eine Herausforderung und lässt einen auf so vielen Ebenen wachsen. Einfach mal anfangen und regelmäßig dran bleiben =)

      Tolle Ideen! Sowohl das Verschenken, als auch das Verbrennen ^^ Allerdings fände ich es sehr schade, wenn etwas so einzigartiges und wertvolles einfach vernichtet würde. Da fände ich den Ansatz, den ich oben mit Margit besprochen habe schon viel besser:

      Versteck sie und lass es offen, ob jemand sie findet. Derjenige wird jedenfalls tausend mal mehr daran interessiert sein, sie zu lesen. Ggf. kann man ja einen subtilen Hinweis irgendwo verstecken. Eine Notiz zwischen den Seiten deines Lieblingsbuches o.ä. ^^ ich stelle mir das unheimlich spannend vor, als Sohn oder Enkel auf so etwas zu stoßen!

      Liebe Grüße und ich wünsche dir, dass du weiterhin soviel Freude am Schreiben hast =)

      Norman

      Antworten
  6. Hans P.

    4. September 2017 um 18:26

    Hi Paul, du schreibst in deinem Text „Über 400 wissenschaftliche Studien bestätigen…“ und verlinkst auf eine Publikation „Effects of Expressive Writing on Psychological and Physical Health: The Moderating Role of Emotional Expressivity“. Da findet man unter „Discussion“ weiter unter den Satz: „The finding that participants LOW in expressiveness report HIGHER levels of anxiety three months after expressive writing should concern researchers studying the utility of incorporating writing into treatments for psychopathology.“ — Das bedeutet, dass nichtexpressives Schreiben (also Schreiben ohne Ausdruck der Gefühle) durchaus Gefahren birgt, nämlich ein Ansteigen von Angst. Es wäre schön, wenn du auf diesen Punkt einmal eingehen würdest, vielleicht auf deinem eigenen Blog. Danke!

    Antworten
    • Paul Henkel Paul

      4. September 2017 um 21:01

      Hi Hans, da machst du auf einen wichtigen Punkt aufmerksam. Die Studie weist darauf hin, dass es wohl – bei nicht repräsentativen Stichproben ist ja immer mit Vorsicht zu formulieren – für Menschen, die ihre Emotionen normalerweise wenig ausdrücken bzw. Schwierigkeiten damit haben, kontraproduktiv sein kann expressives Schreiben zu nutzen. Es geht also um diese spezielle Schreibübung des expressiven Schreibens. Andere Formen könnten dennoch geeignet sein. Zu dem konkreten Studienergebnis fällt mir noch ein: An solchen Studien nehmen auch häufig Menschen teil, die dem Schreiben sonst gar nicht unbedingt zugetan sind, sondern z.B. teilnehmen, um Leistungspunkte fürs Studium zu bekommen o.ä. Das ist nicht unbedingt eine gute Voraussetzung, um vom Schreiben zu profitieren. Wichtig ist aus meiner Sicht in jedem Fall darauf hinzuweisen, dass Schreiben nicht für jeden wirkt oder der beste Weg ist und jeder für sich prüfen darf, welche Art des Schreibens ihn anspricht und für ihn funktioniert. Ich werde mir das auf die Liste setzen und dazu einen ausführlicheren Artikel schreiben. Danke für deine Anregung!

      Antworten
  7. Jenny

    5. September 2017 um 9:08

    Danke für den tollen Beitrag.
    Bis heute war mir gar nicht bewusst das ich öfters Stress abbaue durch schreiben.
    Ich hatte bis vor fünf Jahren meine Oma als lange Brieffreundin.
    Nach ihrem Tod bin ich in ein Loch gefallen und auch sehr krank geworden.
    Mittlerweile bin ich wieder gesund, habe ein Dankbarkeitstagebuch und bin viel gelassener geworden.
    Ich habe meinen Frust auch schon niedergeschrieben in zum Beispiel Rechenschaftsberichten im Kindergarten meiner Tochter. Danach konnte ich den nicht vorlesen, da ich das nicht mehr Empfand.

    Vielen Dank für die tollen Tipps

    Liebe Grüße Jenny

    Antworten
    • Paul Henkel Paul

      5. September 2017 um 16:58

      Hey Jenny, danke für deine Erfahrungen und dass du das Briefeschreiben erwähnst. Das ist ja eine leider etwas in Vergessenheit geratene „Kunst“, die aber auch ähnlich wirksam ist wie Journaling – viel im Inneren klären und bewegen kann und einer Beziehung nochmal eine ganz andere Qualität gibt. Das freut mich sehr für dich, dass du diesen Austausch mit deiner Oma hattest 🙂 und dass du wieder zum Schreiben gefunden hast.
      Aus Neugier: Nutzt du auch Briefe an dich selbst, hast du mal einen Brief an dein Zukunfts-Ich oder dein jüngeres Ich geschrieben?
      Alles Liebe, Paul

      Antworten
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