Wie du mit einem einfachen Trick Selbsterkenntnis erlangst (Selbstfindung Teil 2)

Schatten deiner selbst

Dein wahres Selbst erkennen.

Wie soll das funktionieren?

Im zweiten Teil möchte ich dir zeigen, warum das Selbst so schwer zu (er-)fassen ist und wie wir uns trotzdem ein Bild von ihm machen können.

 

 

Hier findest du die komplette Reihe:

  1. „Wer oder was ist eigentlich mein wahres Selbst?“
  2. Wie du mit einem einfachen Trick dein wahres Selbst erkennen kannst
  3. „Ist mein Leben vom Ego oder vom Selbst bestimmt?“
  4. Wie du endlich dein wahres Selbst findest

 

Warum das Selbst so schwer zu fassen ist

Nicole, eine treue Leserin, bemerkte zum ersten Teil folgendes in einem Kommentar:

„Was macht es denn zu meinem Selbst, frag ich mich? Es ist doch dann einfach das «Alles». Sind dein «Selbst» und mein «Selbst» genau ein und dasselbe?

Diese und viele weitere Fragen kommen auch in mir auf, wenn ich über das Selbst nachdenke. Und sie kommen zwangsläufig in jedem anderen auf, der über das Selbst intensiver nachdenkt. Hier ist der Grund dafür:

Es kann uns nicht recht gelingen, denn ich bin nun einmal ich selbst und du bist nun einmal du selbst.

Wir können das Selbst (anders als das Ego) nicht verlassen und von außen darauf blicken und es beschreiben. Wir können nicht das erkennen, was uns das Erkennen erst möglich macht. Wir können es nur sein.

Laotse beschreibt das in ähnlicher Form in seinen Ausführungen zum Tao:

„Worte sind Finger, die auf den Mond zeigen; wenn du auf den Finger schaust, kannst du den Mond nicht sehen“

(Laotse: Tao Te King)

Mit dem Wort Tao meint er nichts anderes als das, was wir hier Selbst nennen.

Im Tao Te King, einer kurzen Zusammenfassung seiner Erkenntnisse mit einem Umfang von 5000 Wörtchen, stellt er das Tao als ewige Gesetzmäßigkeit dar, aus der alles Seiende entspringt und in das alles was ist zurückkehrt.

Ganz zu Beginn weißt er sogar schon auf die Schwierigkeit hin das Tao zu erfassen:

„Das Tao, das man ersinnen kann, ist nicht das wahrhafte Tao. Das Tao, das man benennen kann, ist nicht das wahrhafte Tao.“

(Laotse: Tao Te King)

Laotse stand also vor dem selben Problem wie wir und viele andere, die dem Selbst auf die Schliche kommen wollen. Dafür brauchen wir nun eine Lösung.

 

Das Selbst dennoch erkennen

Um unserem Selbst in diesem Teil nun aber doch etwas näher zu kommen, benötigen wir also eine Art Spiegel, mit dem wir selbst unser Selbst erblicken können.

Mit einem ähnlichen Problem hat sich schon der griechische Philosoph Platon befasst, als er sein Höhlengleichnis aufgestellt hat:

Das Höhlengleichnis

Ein paar Menschen leben in einer Höhle.

Sie sind so an Ketten gefesselt, dass sie nur auf eine Felswand blicken können.

Hinter ihnen brennt ein Feuer.

Die Menschen sehen auf der Felswand nur die Schatten von Gegenständen, die hinter ihnen vorbeigetragen und vom Schein des Feuers als Schattenbilder an die Wand vor ihnen projiziert werden.

Die Menschen halten nun diese (zweidimensionalen) Schattenbilder für die wahre Wirklichkeit […].

Was nützt uns das?

In Platons Gleichnis wird nun einem der Gefangenen die Welt außerhalb der „Schattenwand“ und der Höhle gezeigt, was diesen zur Erkenntnis führt.

Genau dies ist in unserem Fall nun leider nicht möglich. Keiner nimmt uns an die Hand und zeigt uns das wahre Selbst. Aber Wir Menschen vor der Schattenwand haben trotzdem eine Chance.

Wir sind die Schatten unseres Selbst

Wenn wir unser Bewusstsein mit den Bewohnern der Schattenwelt vergleichen, dann sind wir uns immer nur der Schatten des Selbst bewusst, die wir auch Ego nennen können.

Das einzige was uns also zur Erkenntnis führen kann sind die Ego-Abbilder, die auf der Grundlage des Selbst erschaffen werden. Daher bleibt uns die folgende Möglichkeit Erkenntnis über das Selbst zu gewinnen:

Dies ist übrigens auch der Weg, den Laotse im Tao Te King gegangen ist. Er beschreibt einfach die Wirkungen des Tao oder von Menschen, die mit dem Tao sehr eng verbunden oder sehr weit davon entfernt waren.

Auch Platons Höhlengefangene haben auf diesem Weg die Möglichkeit selbst die dreidimensoionale Wirklichkeit hinter der Schattenwelt zu erkennen.

Für uns lässt sich eine erste mögliche Gesetzmäßigkeit sehr gut an dieses Schattenbeispiel anschließen:

Bewegen wir einen Gegenstand zwischen Lichtquelle und Wand von der Wand weg, so wird der Schatten größer. Das passt zu der Annahme, dass bei einem großen Ego das Selbst scheinbar weiter entfernt oder unbewusster ist.

 

Wie verschiedene Disziplinen das Selbst erkannten

Wie bereits angeklungen, haben sich bereits viele Menschen und Gruppierungen Gedanken zu diesem Thema gemacht. Hier findest du eine Auswahl.

  • Abendländische Philosophie: In Teil 1 haben wir schon bemerkt, dass Kinder noch viel näher an ihrem wahren Selbst leben. Auch Epikur sah dies und beschrieb es folgendermaßen:

    „Tiere und kleine Kinder sind der Spiegel der Natur.“

    (Epikur: Philosophie der Freude)

    Er nannte es also Natur. Hier erkennen wir Verbindungen zu unserer Auffassung des Selbst: Alles Leben kommt von Mutter Natur und kehrt zu ihr zurück.

  • Taoismus: Weiter oben  stellten wir bereits die Ähnlichkeit unseres Begriffes vom Selbst mit Laotse’s Schilderungen über das Tao fest.

    „Das Tao ist die große Mutter: leer und doch unerschöpflich, es gebärt unendliche Welten. Es ist immer in dir. Du kannst es auf jede beliebige Weise nutzen.“

    (Laotse: Tao Te King)

  • Psychologie: Paul Watzlawick, der sich ausgiebig mit dem Thema Wirklichkeit beschäftigt hat, hielt einst fest:

    „Jeder meint, dass seine Wirklichkeit die wirkliche Wirklichkeit ist.“

    (Paul Watzlawick)

    Übersetzen wir die wirkliche Wirklichkeit mit dem Selbst, passt das Ego in die Form der eigenen Wirklichkeit.

  • Buddhismus: Die beiden gegensätzlichen Begriffe „Samsara“ und „Nirvana“ beschreiben im Buddhismus die bedingte Welt und das innere Freisein von ihr. Wir könnten sie mit Ego und Selbst bezeichnen.
  • Dichter und Denker:

    „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust!“

    (Johann Wolfgang von Goethe: Faust I)

    So beschreibt Goethe den inneren Konflikt des Dr. Faust, der sich einerseits zur nicht seienden und Erkenntnis versprechenden Ewigkeit hingezogen fühlt, andererseits an den Freuden des Seienden verhaftet ist.

    Auch Hesse beschreibt im Steppenwolf einen ähnlichen Zwiespalt seiner Hauptfigur Harry Haller (ein Alterego Hesses) zwischen Wolf und Mensch – Trieb und Geist. Dieser erkennt jedoch schließlich, dass nicht zwei sondern unendlich viele Seelen in seiner Brust wohnen, die er wie die Figuren auf einem Schachbrett nach belieben anordnen, verbinden und benutzen kann.

    Die zeit- und endlose Gesamtheit aller dieser verschiedensten Seelen, trifft auf unser Verständnis vom Selbst zu, während die begrenzte Auswahl, die wir selbst auf dem Schachbrett zusammenstellen, unser Ego verkörpert.

  • Christentum: Das Verständnis von Selbst und Ego im Christentum wird im dritten Teil sehr deutlich, wenn wir ihre Wirkungen im täglichen Leben untersuchen werden.
  • Du: So vielfältig wie das Selbst ist auch die Zahl der verschiedenen Auffassungen. Was verstehst du unter Ego und Selbst? Schildere deine Ansicht gerne in einem Kommentar.

 

Fazit von Teil 2: Selbsterkenntnis wird durch das Ego möglich

Schatten des Selbst - Fazit

Wir können mit dem Selbst nicht auf das Selbst zeigen – aber wir können seinen Schatten, das Ego, studieren.

Auf diese Weise gehen wir im nächsten Teil dem Selbst richtig auf die Spur.

Wir untersuchen die Wirkungen von Ego und Selbst in unserem täglichen Leben um das Selbst besser erkennen zu können und gehen der Frage nach, ob Selbstfindung nun wirklich so erstrebenswert ist.

Wo erkennst du in deinem Leben die Schatten deines wahren Selbst?

Über Norman Brenner
Hey, ich bin Norman. Ich wünsche mir, dass viel mehr Menschen es schaffen endlich ein vernünftiges Leben zu führen. Darum schreibe ich hier. Erfahre mehr »

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